Das „Jeder­manns­recht“ – Fischen in Finnland

„Jedermannsrecht“ ist Bestandteil der Gesetzgebung, und wer durch sein Handeln Umwelt oder Mitmenschen stört, macht sich strafbar. Zu diesem gehört beispielsweise sich ungehindert in der finnischen Natur zu bewegen, Pilze und Beeren zu sammeln und zu fischen.

Das für alle unentgeltliche “Jedermannsrecht” gestattet, die Natur ohne Genehmigung des Grundeigentümers zu genießen, beinhaltet aber auch die Forderung, keinen Schaden zu verursachen: Das Recht darf nur so in Anspruch genommen werden, dass weder die Natur noch die Mitmenschen geschädigt oder gestört werden.

Wir wollen in dem folgenden Blogbeitrag die lange und ausgiebig zelebrierte Tradition des Fischens näher unter die Lupe nehmen.

Die Fischereitradition in Finnland ist so alt wie die Geschichte der Einwohner des Landes: rund 10.000 Jahre. Angeln und sich der Geschenke der Gewässer erfreuen stellen einen wichtigen Teil des finnischen Lebensstils dar. Freizeitangler bringen ihren Fang nach Hause und bereiten daraus köstliche Mahlzeiten zu.

Als das Land mit den meisten Gewässern der Welt bietet Finnland zahlreiche Gelegenheiten, um viele verschiedene Fischarten zu fangen. Ganze 10 Prozent der Fläche des Landes sind von Wasser bedeckt. Dank der guten Anbindung ist das Angeln am Rand einer Stadt genauso einfach wie in einem See in der Wildnis.

Das hohe Fischvorkommen in den ausgedehnten Fischgründen spielte eine wesentliche Rolle bei der Besiedlung Finnlands und ermöglichte den Menschen, in dem rauen Klima nach der Eiszeit zu überleben. Fisch ist noch heute ein wichtiger Teil der finnischen Ernährung.

Folglich haben die Finnen viele verschiedene Methoden für den Fang bedeutender Fischarten aus unterschiedlichen Gewässern und Fischgründen zu verschiedenen Jahreszeiten entwickelt.

Die Anglerkultur boomt

Angeln und Angelgewässer sind ein wichtiger Teil der finnischen Identität. In einem Boot auf dem Wasser umherzutreiben und die Natur zu genießen ist für viele Menschen eine unverzichtbare Lebensweise. Die historische Bedeutung von Gewässern und Angeln zeigt sich auch in vielen finnischen Ortsnamen.

Finnlands am längsten amtierender Staatspräsident Urho Kekkonen war ein begeisterter Angler. Eine der bekanntesten Weihnachtstraditionen ist der Weihnachtshecht, der dem Präsidenten der Republik von Küstenfischern überreicht wird. Die Themen Fischerei und Fische werden auch in der Literatur und auf Kunstwerken verarbeitet. Für mehr Fischerglück sprechen Finnen sogar einen Fischerzauber aus. Der bekannteste Spruch geht folgendermaßen: “Anna Antti ahvenia, Pekka pieniä kaloja!” Grob übersetzt bedeutet das: “Möge mir der heilige Andreas Barsche und der heilige Petrus kleine Fische schenken!”

Angesichts der Unmenge an Fischgründen ist es wenig verwunderlich, dass das Angeln für Finnen zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten gehört. Fast 40 Prozent der Bevölkerung, das sind etwa zwei Millionen Finnen, gehen mindestens einmal im Jahr angeln. In Finnland gibt es hunderttausende von Freizeitanglern und für viele ist das Angeln die beliebteste Freizeitbeschäftigung.

Der internationale Fischereitourismus existiert seit rund 200 Jahren in Finnland. Britische Anhänger des Fliegenfischens entdeckten Anfang des 19. Jahrhunderts die Lachsgebiete des Tenojoki, etwa zur gleichen Zeit, als der russische Adel die majestätischen Stromschnellen des Vuoksi mit seinen Bachforellen fand. Die Briten machten das Fliegenfischen im Land bekannt und finnische Angler haben daraufhin unzählige Fliegenköder für die dortigen Gewässer und Fischarten entwickelt.