Jeder­manns­recht in Finnland

Finnlands Wälder sind jedes Jahr voll von unterschiedlichen köstlichen Beeren. Wie auch schon die Fischerei, ist auch das Beerenpflücken auf das Jedermannsrecht gestützt.

Wer sich also die fruchtige Vielfalt für den Genuss das ganze Jahr über holen will, hat zwar vom Homo Sapiens nichts zu befürchten, kann aber hier und da schon Mal auf einen Bären stoßen. Das Jedermannsrecht gestattet jedem Finnen, ungehindert Wildbeeren zu sammeln.

Der helle Sommer lässt die Beeren in Wäldern und Sümpfen in Hülle und Fülle reifen. In Finnland wachsen etwa 50 verschiedene Wildbeerenarten, von denen 37 essbar sind. Für die Ernährung und zum Sammeln eignen sich insgesamt etwa 20.

Das Jedermannsrecht gestattet jedem Finnen, ungehindert Wildbeeren, -pflanzen und auch Pilze zu sammeln, sofern sie nicht zu den geschützten Arten zählen. Das gilt auch für Ausländer, die in Finnland zu Besuch sind. Kein Wunder also, dass in den letzten Jahren immer mehr Sammler aus anderen Ländern anzutreffen waren.

Wildbeeren gibt es in Finnlands Wäldern mehr als genug, denn sogar in schlechten Jahren reifen 100 Millionen Kilogramm, das heißt etwa 20 Eimer voll für jeden finnischen Bürger. Und es werden bei weitem nicht alle Beeren gepflückt: Von den beliebtesten Arten, der Preisel- und der Heidelbeere, werden nur etwa 3-10 Prozent aus den Wäldern geholt.

Im Schnitt verzehren die Finnen pro Person jährlich 8 kg Wildbeeren und sichern sich auf diese Weise eine wichtige Quelle für Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente in ihrer Ernährung.

Das finnische Gold – Moltebeere

Die beliebtesten Wildbeerenarten der Finnen sind Heidelbeere (40 %), Preiselbeere (35 %) und Moltebeere (ca. 10 %). Aber auch Himbeere, Moosbeere, Sanddorn und Schwarze Krähenbeere werden viel und gern gesammelt.

Das Gold unter den Wildbeeren ist die Moltebeere. Um dieses Goldtsück zu finden muss man zu den Sümpfen in den Wäldern stiefeln und sich beim Pflücken von Insekten zerstechen lassen.

Gute Moltebeerenstellen werden wie ein Schatz gehütet, die besten Fundstellen behält man immer für sich. Allein mit dem Namen der Beere kann man andere Sammler auch in die Irre führen, denn für lakka, wie die Moltebeere auf Finnisch heißt, gibt es in anderen Gegenden des Landes auch die Bezeichnung hilla, valokki oder suomuurain.

Die goldfarbene Moltebeere wird als erste der Wildbeeren von Mitte Juli an reif. Sie wächst überall in Finnland, die größten Ernteerträge werden jedoch im Norden des Landes erzielt.

Verwendet wird diese Beere insbesondere zur Zubereitung oder auch zur Verzierung von Nachspeisen, aber auch für Konfitüren, Suppen und Liköre. Das Öl aus ihren Samen dient als Rohstoff für die Kosmetikindustrie. Auch vom Nährwert her ist die Moltebeere etwas ganz Besonderes, denn sie enthält mehr Vitamin E als andere Früchte, Gemüse oder Getreide.

Heidelbeeren und Preiselbeeren

Ist die Moltebeere die wertvollste der Wildbeeren, dann ist die Heidelbeere auf jeden Fall die beliebteste. Fast alle Finnen waren schon irgendwann einmal in den Heidelbeeren, die einerseits gut schmecken und sich andererseits leicht pflücken lassen.

Heidelbeeren kommen in ganz Finnland in den sog. Heidewäldern vor und werden von Ende Juli bis September gesammelt. Verarbeitet werden sie zu Saft, Suppen, Kuchen oder Brei.

Wenn es Herbst wird und die Preiselbeeren reifen, setzt die größte Beerenernte in den Wäldern ein. Die beste Sammelzeit liegt zwischen Ende August und Anfang Oktober. Die ergiebigsten Stellen bringen sogar einen Ertrag von 100-500 kg pro Hektar.

Das Aroma der Preiselbeeren ist herb, vor allem aber einzigartig, denn der Geschmack ist jedes Jahr ein bisschen anders. Aus Preiselbeeren, die genauso viele Vitamine und Spurenelemente wie die bekanntesten Obstsorten und dazu außergewöhnlich viel Vitamin E enthalten, lassen sich die unterschiedlichsten Getränke, Speisen und Backwaren herstellen.