Privates Carsha­ring – Top oder Flop?

Ein eigenes Auto bedeutet für viele Menschen ein Statussymbol, Unabhängigkeit und Flexibilität. Doch ein eigenes Auto ist auch mit vielen Belastungen verbunden.  Vom finanziellen Faktor ganz zu schweigen.

Hier hat sich in den letzten Jahren zunehmend der Trend zum privaten Carsharing entwickelt. Doch was genau bedeutet das? Privates Carsharing kann mit einer Wohngemeinschaft auf Rädern verglichen werden. Wir wollen hier kurz die Funktonsweise sowie die Vor- und Nachteile von Carsharing beleuchten und vielleicht mit dieser zündenden (nicht mehr ganz so neuen) Idee etwas zum Schutz der Umwelt und des Geldbeutels beitragen.

Wie genau funktioniert privates Carsharing?

Es gibt Internetplattformen, die sich auf die Vermittlung zwischen den Autobesitzern und Mietern spezialisiert haben. Autobesitzer können dort ihr Fahrzeug eintragen und angeben, zu welchen Zeiten das Auto für andere Mieter verfügbar sein soll. Zusätzlich wird der Mietpreis bestimmt. Das Auto kann dann auf der Internetseite des Vermittlers gefunden und gebucht werden. Der Kontakt und die Übergabe des Fahrzeuges finden direkt zwischen den beiden Privatpersonen statt. Kommt es zu einer Anmietung, wird ein Nachbarschaftsauto-Vertrag zwischen den beiden Parteien abgeschlossen. In diesem sind die Mietbedingungen festgehalten. Der Voll- und Teilkaskoschutz ist bei großen Vermittlern gegen die Zahlung einer entsprechenden Pauschale bereits im Preis enthalten. Für die Pflege und Wartung des Fahrzeuges ist ausschließlich der Autobesitzer verantwortlich. Hier erfolgen keine Kontrollen seitens der Vermittler.

Anschaffungskosten adé

Zu den kostspieligsten Faktoren eines Autos im Privatbesitz gehören die Anschaffungskosten. Nicht selten sind schon für einen neuen Kompaktwagen an die 20 000 Euro zu zahlen. Solche Kosten fallen beim Carsharing nicht an, denn die Autos sind im Besitz des Anbieters. Teilnehmer müssen nur für die Fahrzeugnutzung sowie einen geringen Mitgliedsbeitrag zahlen.

Effiziente Nutzung des Fahrzeugs

Ein Auto im eigenen Besitz wird in den meisten Fällen äußerst ineffizient genutzt, verursacht seinem Besitzer aber trotzdem hohe Fixkosten. Das ist beim Carsharing anders – gut ausgelastete Autos sind ständig unterwegs. Die Fixkosten für ein Privatauto – die Kfz-Steuern, Versicherung, Wartung und Reparaturen – muss der Besitzer alleine aufbringen. Beim Carsharing werden die Fixkosten dagegen gleichmäßig auf alle Nutzer aufgeteilt. Daher fallen sie für den einzelnen entsprechend gering aus. Sie sind bereits in die Nutzungsgebühr eingerechnet.

Keine Wartung

Auch um die Wartung eines Autos muss sich der Carsharing-Teilnehmer nicht kümmern, denn das ist Sache des Anbieters.

Flexible Fahrzeugauswahl

Beim Privatauto sind Besitzer nach dem Kauf festgelegt. Sie fahren immer dasselbe Auto, bis sie es wieder verkaufen. Teilnehmer beim Carsharing sind dagegen flexibel und können frei aus der Fahrzeugpalette des Anbieters auswählen: Will man gerade mit der ganzen Familie in den Urlaub fahren, dann entscheidet man sich vielleicht für den VW T5. Steht man auf Hillbilly-Chic und ist ein großer Fan von amerikanischen Autos? Oder woll man lieber in einem Cabrio der Sonne entgegenfahren? Beim privaten Carsharing muss man sich nicht unbedingt festlegen. Die Vielzahl an unterschiedlichen Autos vom Kleinwagen bis hin zum Transporter kann kein gewerblicher Carsharing-Anbieter übertreffen. Meistens fehlt zudem vor allem eines: der Charakter. Und seien wir mal ehrlich: Ist es nicht eine aufregende Idee in einem Auto mit Geschichte unterwegs zu sein?

Entlastung für die Umwelt

Beim Carsharing teilen sich 15 bis 20 Nutzer ein Auto. Das spart gerade in den engen Innenstädten Platz. Weil die Teilnehmer auch ihr Fahrverhalten ändern und sich vor allem für Transporte sowie für mittlere und weite Fahrstrecken ein Auto ausleihen, geht insgesamt die Verkehrs- und damit auch die Umweltbelastung durch Lärm und Abgase zurück.

Carsharing? Nein, danke!

Wer eine emotionale Bindung zu seinem Auto hat und es als Statussymbol oder gar Fetisch nutzt, wird dem Carsharing nicht viel abgewinnen können. Beim Carsharing geht es primär um eine effiziente Nutzung von Fahrzeugen, die einen von Punkt A nach Punkt B bringen. Carsharing setzt ein gewisses Maß an Flexibilität voraus. Zunächst muss man mit dem Anbieter Kontakt aufgenommen werden. Kommt es zu einer Einigung, muss man eventuell erst den Wunschort samt Auto zu Fuß, per Bahn oder Bus erreichen. Unter Umständen ist bei großer Nachfrage auch nicht jedes Wunschauto zu jedem Termin verfügbar. Wer größten Wert auf individuelle Unabhängigkeit legt, ist dann mit dem eigenen Auto besser beraten.

Wer für den täglichen Berufsweg auf das Auto angewiesen ist, fährt mit dem eigenen Wagen oder mit privat organisierten Fahrgemeinschaften besser.